ICH BIN MIT DER FIRMA MITGEWACHSEN
Armin Delic stieg 2005 als Schichtarbeiter beim Kunststoffrecycler Polymers ein, zu einem Zeitpunkt, als am Standort noch gebaut wurde. Heute kennt er das Unternehmen praktisch wie seine eigene Westentasche. Als Produktionsleiter und Prozessverfahrenstechniker ist er maßgeblich für einen reibungslosen Betrieb bei MGG Polymers verantwortlich. Im Gespräch erzählt er von seinen Anfängen, vom täglichen Improvisieren und davon, warum Recycling für ihn längst weit mehr ist als nur ein Beruf ist.
Herr Delic, Sie sind Produktionsleiter bei MGG Polymers. Was genau ist Ihre Aufgabe?
Armin Delic: Eigentlich habe ich eine Doppelfunktion. Ich bin Prozessverfahrenstechniker für unsere Compoundieranlagen und habe heuer im Februar zusätzlich die Produktionsleitung übernommen. Das bedeutet zwar noch mehr Verantwortung, aber für mich ist die Kombination dieser beiden Aufgaben stimmig. Ich brauche den Bezug zu den Anlagen und zur Produktion.
Sie sind schon seit mehr als 20 Jahre bei Polymers beschäftigt. Wie hat alles begonnen?
Armin Delic: Ich habe 2005 angefangen und war damit einer der ersten Mitarbeiter überhaupt. Ich habe erfahren, dass bei Polymers Leute gesucht werden und habe mich beworben. Als ich bei der Adresse des Firmenstandortes ankam, standen da eigentlich nur Bagger und eine große Baustellenabsperrung. Ich dachte zuerst, ich wäre an der falschen Adresse, doch die Erklärung war einfach und spannend zugleich: die Gebäude befanden sich noch im Bau. Die entstehende Anlage war das österreichische Joint-Venture-Unternehmen MBA Polymers Austria, das 2004 vom Kalifornier Mike Biddle und Christian Müller-Guttenbrunn gegründet wurde.Ein paar Monate später starteten wir mit einer kleinen Mannschaft. Wir halfen beim Aufbau der Maschinen, besuchten Ausbildungskurse am WIFI und wurden von amerikanischen Kollegen eingeschult. 2006 starteten wir schließlich mit der Produktion im Zweischichtbetrieb.
Wie waren die Anfänge?
Armin Delic: Der Beginn war natürlich ein wenig turbulent, aber auch geprägt von einer enormen Aufbruchsstimmung. Wir waren uns schon bewusst, dass hier etwas völlig Neues entstand. Ich habe, wie die Kolleginnen und Kollegen auch, im Schichtbetrieb gearbeitet und wurde nach kurzer Zeit Schichtleiter. Immer neue Projekte und zusätzliche Anlagen machten 2019 eine Umstrukturierung des Produktionsablaufs nötig. Im Bereich Produktion wurden zwei Prozessverfahrenstechniker installiert, eine der beiden Stellen wurde mir angeboten – ich habe sie gerne übernommen! Seit Februar bin ich, wie schon eingangs erwähnt, auch Produktionsleiter.Sie haben die Entwicklung bei Polymers praktisch von Anfang an miterlebt. Hilft Ihnen das heute bei der Bewältigung Ihrer Aufgaben?
Armin Delic: Das ist wahrscheinlich eine meiner größten Stärken. Ich kenne die Firma nicht nur aus meiner jetzigen Position. Ich habe selbst in der Produktion begonnen, habe die Maschinen kennengelernt, Schichten geleitet, Veränderungen erlebt und viele Prozesse gemeinsam mit der Kollegenschaft entwickelt. Aufgrund meiner Erfahrung weiß ich auch, dass gute Ideen oft direkt von Produktionsmitarbeitenden kommen.
Für wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Sie derzeit verantwortlich?
Armin Delic: Zählt man die Kolleginnen und Kollegen in der Produktion und dem Labor zusammen, dann sind das in Summe rund 16 Personen. Das ist schon eine ziemlich große Verantwortung. Viele davon sind – wie ich auch – schon lange bei MGG Polymers beschäftigt und wir kennen uns gut. Das hilft mir in meiner derzeitigen Position sehr, da wir uns vertrauen und respektvoll miteinander umgehen.
Bei all den Aufgaben: Gibt es für Sie so etwas wie einen „typischen Arbeitsalltag“?
Armin Delic: Das kling vielleicht sonderbar, aber einen wirklich „typischen Arbeitsalltag“ gibt es bei uns generell eher nicht. Ein großer Teil unserer Arbeit ist extrem flexibel. Natürlich haben wir Produktionspläne und wissen, welche Mengen wir benötigen und was in den Verkauf geht. Aber unser Eingangsmaterial ist nicht jeden Tag hundertprozentig gleich, darauf muss reagiert werden. Dann kann eine Maschine ausfallen, eine Arbeitskraft fehlt oder ein Ergebnis fällt anders aus, als erwartet. Auf diese Situationen muss man spontan reagieren: Wo können wir verstärken? Wo nehmen wir Leistung heraus? Welche Anlage fahren wir anders? Was können wir verschieben?Jeden Morgen gibt es deshalb eine Besprechung mit den Beteiligten. Dort wird festgelegt, in welche Richtung wir für die nächsten 24 Stunden gehen. Natürlich planen wir auch Monate im Voraus, aber im täglichen Betrieb braucht es viel mehr Flexibilität.
Ist genau diese Unvorhersehbarkeit auch das Spannende an Ihrer Arbeit?
Armin Delic: Auf jeden Fall. Man muss laufend Entscheidungen treffen und Lösungen finden. Ein Unternehmen, bei dem man drei Monate vorher genau festlegt, welches Produkt auf welcher Maschine läuft, funktioniert anders. Bei uns ändert sich viel kurzfristig. Das kann anstrengend sein, aber es macht die Arbeit auch interessant. Man muss die Prozesse verstehen, die Mannschaft kennen und gleichzeitig schnell reagieren können. Das ist genau die Mischung, die mir gefällt.
Aktuell ist die wirtschaftliche Lage für viele Industriebetriebe schwierig. Wie erleben Sie das bei MGG Polymers?
Armin Delic: Die Wirtschaftslage ist momentan sicher eine unserer größten Herausforderungen. Der internationale Wettbewerbsdruck ist groß. Anbieter, vor allem aus China, drängen mit Niedrigpreisen auf den Markt. Das macht es für europäische Recyclingunternehmen schwierig. Aber wir sind im Unternehmen gut aufgestellt und ich bin zuversichtlich, was die kommenden Jahre betrifft.
Weil es oftmals für Externe nicht ganz klar ist: Was unterscheidet MGG Polymers von einem reinen Kunststoffhändler?
Armin Delic: Sehr viel. Polymers kauft nicht einfach sortenreinen Kunststoff ein, extrudiert diesen und verkauft ihn anschließend weiter. Unser Ausgangsmaterial stammt aus komplexen Wertstoffströmen, vorrangig aus dem Elektro- und Elektronikschrott. Innerhalb der Müller-Guttenbrunn Gruppe ergänzen wir uns dabei sehr gut. Bei Polymers geht es darum, aus einer Vielzahl unterschiedlichster Kunststoffe genau jene Fraktionen herauszuarbeiten, die wir benötigen, etwa ABS, PS, PMMA, PP oder PC-ABS. Dafür braucht es viele Aufbereitungs- und Sortierschritte. Problematische Bestandteile oder unerwünschte Stoffe werden möglichst früh ausgeschieden. Genau darin liegt unsere Stärke und das Know-how, das uns auszeichnet.Welchen Beruf haben Sie eigentlich ursprünglich erlernt und war dieser ausschlaggebend dafür, dass Sie bei MGG Polymers angestellt wurden?
Armin Delic: Ich bin gelernter Kfz-Techniker, was kein Kriterium für meine Anstellung hier war. Obwohl ich meinen Beruf gerne gemacht habe, habe ich mir mit Anfang Zwanzig überlegt, wie ich mehr Geld verdienen könnte. Ich wollte heiraten, eine Familie gründen, mir ein Leben aufbauen. Mein Plan war, für ein paar Jahre in der Industrie zu arbeiten und dann in meinen erlernten Beruf zurückzukehren. Wie man heute sieht, ist aus diesem Plan nichts geworden – ich bin noch immer hier. Und das ist gut so. Die Aufgaben bei Polymers sind perfekt für mich.
Was schätzen Sie an der Müller-Guttenbrunn Gruppe als Arbeitgeber?
Armin Delic: Ich mag es, in einem Familienunternehmen zu arbeiten. Bei Müller-Guttenbrunn ist keine Mitarbeiterin, kein Mitarbeiter einfach nur eine Nummer, uns wird Wertschätzung entgegengebracht.Besonders deutlich war der Unterschied für mich zu sehen, als Polymers 2017 aus dem amerikanischen Konzern heraus zur Müller-Guttenbrunn Gruppe kam. Das Klima hat sich sofort verändert. Heute wird viel für uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getan, Teambuilding wird großgeschrieben. Als gelernter KFZ-Techniker und „Benzinbruder“ möchte ich, neben allen anderen Events, die Kart-Trophy herausstreichen. Es macht großen Spaß, einen Tag mit Gleichgesinnten zu verbringen. Herzlichen Dank dafür an die Geschäftsleitung, allen voran an unseren CEO Christian Müller-Guttenbrunn.
Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind schon lange bei Polymers. Natürlich gab es immer wieder Veränderungen und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch Adaptionen. Trotzdem ist die Personalfluktuation, aus meiner Sicht, gering. Viele, mit denen ich vor Jahren gemeinsam in der Produktion gearbeitet habe, sind heute noch da. Das gefällt mir.
Wenn man Fotos aus den Polymers-Anfängen ansieht wird klar, wie viel sich seither getan hat. Es wurde investiert, Prozesse wurden weiterentwickelt und es wurde mehr Fokus auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt. Natürlich gibt es in einem Unternehmen dieser Größe unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen. Aber unsere Stärke besteht darin, dass die Prozesse innerhalb der Gruppe perfekt ineinandergreifen.
Wie hat die Arbeit bei MGG Polymers Ihre persönliche Einstellung zum Thema Recycling verändert?
Armin Delic: Ehrlich gesagt stand, als ich hier angefangen habe, nicht zwingend der Umweltgedanke im Vordergrund. Es hat nicht lange gedauert. Wenn man tagtäglich erlebt, was aus recyceltem Material entstehen kann, verändert sich der Blick ganz rasch. Wenn man bedenkt, wie viele Unternehmen sich weltweit mit Recycling beschäftigen und wie viel Geld und Entwicklung in diesem Bereich steckt beginnt man zu begreifen, welch große Bedeutung das Thema generell hat. Nochmals verstärkt wurde das, als meine Frau und ich Kinder bekommen haben. Man möchte seinen Nachkommen eine Welt hinterlassen, die lebenswert ist.Wenn ich heute privat zum Altstoffsammelzentrum fahre, sehe ich einen Staubsauger oder ein Autoradio mit anderen Augen. Früher war das einfach Müll. Heute sehe ich die Materialien, die in den Geräten stecken, sehe, welches weitere Leben diese haben können. Und ich kenne den Weg, den der „Müll“ nehmen wird. Dieses Wissen gebe ich im Alltag an meine Kinder weiter, damit sie verstehen, warum Mülltrennung so wichtig ist. Den Erfolg sehe ich an meinem ältesten Sohn, der sich mit Abfallvermeidung und Recycling ganz anders auseinandersetzt, als ich es in seinem Alter getan habe.
Wenn wir schon über Ihren Sohn sprechen: Verraten Sie uns etwas über den privaten Armin Delic?
Armin Delic: Die Familie steht für mich ganz klar im Mittelpunkt. Gemeinsam mit meiner Frau und unseren drei Kindern lebe ich in einem Haus in Amstetten, das wir Stück für Stück renovieren. Unser ältester Sohn spielt derzeit engagiert Fußball und erhält dabei meine volle Unterstützung. Gemeinsam sind wir bei vielen Spielen in Niederösterreich unterwegs. Wenn dann noch Zeit bleibt, investiere ich diese in meine Leidenschaft für Autos.Meinen Urlaub verbringe ich gerne in Bosnien, dem Land, in dem ich geboren wurde. Dort pflege ich alte Freundschaften und genieße mit meiner ganzen Familie – auch meine Frau ist Bosnierin – die freie Zeit am Meer.