Vom Recycling zum Kreislauf

Vom Recycling zum Kreislauf

Kunststoff-Recycling von Elektrogeräten macht Sinn – das leuchtet mittlerweile jedem Schulkind ein. Noch mehr Sinn macht Recycling, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse dies einwandfrei belegen. Eine dieser wissenschaftlichen Studien – eine Lebenszyklus-Analyse von Patrick A. Wäger und Roland Hischier der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in St. Gallen – zeigte vor kurzem, wie sehr Kunststoff-Recycling Ressourcen, Umwelt und Menschen schonen kann.

Betrachtung in zwei Richtungen

Die beiden Schweizer Autoren verglichen dabei mit Hilfe von Daten der MBA Polymers das Kunststoff-Recycling aus Mischfraktionen verschrotteter Elektroaltgeräte in zwei Richtungen: einmal mit den Daten für die Produktion von neuen jungfräulichen Kunststoffe und ein zweites Mal mit Daten für die Verbrennung des Materials.

Dabei wurden Auswirkungen auf das Ökosystem, die Gesundheit des Menschen und Verfügbarkeit der Ressourcen untersucht. Das Ergebnis des Vergleichs Recycling mit Verbrennung, weist auf das Kunststoff-Recycling in allen Kategorien etwa vierfach bessere Werte hat. Noch deutlicher fällt der Vergleich zur Primärproduktion von Kunststoff aus: Recycling der Kunststoffe hat 6- bis 10-fach bessere Werte als die Produktion von neuen Kunststoffen.

Damit stehen die Ergebnisse der Studie in Einklang mit ähnlichen, bisher durchgeführten Untersuchungen und unterstreichen noch einmal die Vorteile von Kunststoff-Recycling (diese Studie ist veröffentlicht als Science of the Total Environment 529 (2015) 158–167, Patrick Wäger, Roland Hirschier – und hier erhältlich.

Das EU Paket zur Kreislaufwirtschaft

Wissenschaftliche Daten und Recycling alleine genügen jedoch noch nicht für eine Kreislaufwirtschaft. Dazu bedarf es noch vieler weiterer Anstrengungen. Das hat auch die EU-Kommission erkannt und einen ambitionierten Aktionsplan mit Vorschlägen um die Kreislaufwirtschaft zu stärken erstellt. Kreislaufwirtschaft bedeutet, dass Abfälle derart verwertet werden, dass die daraus gewonnenen Materialien als Sekundär-Rohstoffe wieder als Ausgangsmaterial für die Produktion neuer Konsumgüter genutzt werden und sich so ein Kreislauf bildet – ähnlich wie bei natürlichen Kreisläufen.

Damit würde man das lineare Wirtschaftssystem, in dem Abfall – und somit Rohstoff – entweder gedowncycled wird oder auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen endet, durchbrechen.

Damit dieser Durchbruch gelingt, gibt es viele Vorschläge. Diese reichen von der Harmonisierung und Vereinfachung von Regeln mit Bezug auf Abfallmanagement bis zu  Maßnahmen zur Abfallvermeidung. Als einen entscheidenden Punkt hat die EU-Kommission aber auch das Produkt-Design ausgemacht und möchte das sogenannte „Eco-Design“ forcieren. Dadurch sollen Produkte so gestaltet werden, dass sie einerseits einfacher zu recyceln sind und andererseits aus recycelten Sekundärrohstoffen produziert werden können.

„Missing link“ in diesem Kreislauf

Vom Recycling zum Kreislauf - BeitragsbildGerade im Punkt der Nutzung von Sekundärrohstoffen – etwa Kunststoff aus Elektronik-Altgeräten, wie sie MBA Polymers herstellt – besteht ein großer Nachholbedarf. Experten sprechen sogar von einem „missing link“ in der sich entwickelnden Kreislaufwirtschaft, da Hersteller vielfach nur Material aus Primärrohstoffen vertrauen.

Die Müller-Guttenbrunn Gruppe sieht die Vorschläge der EU-Kommission sehr positiv. „Die vorgeschlagenen Maßnahmen des Pakets zur Kreislaufwirtschaft beinhalten wichtige und richtige Initiativen. Ich bin überzeugt, dass dieses Paket auch einen Anreiz darstellt, in die Recycling-Industrie zu investieren und Recycling-Technologien zu verbessern“, ist Geschäftsführer Mag. Christian Müller-Guttenbrunn überzeugt.

Müller-Guttenbrunn hat eine Wunschliste zum Circular Economy Paket definiert und ist diesbezüglich mit Fachkollegen, Abfallverbänden und anderen Marktteilnehmern im Gespräch.

Diese Wunschliste kann wie folgt zusammengefasst werden:

Fast-Track Notifizierungen

– Für grenzüberschreitende Abfallverbringung an vorabzugestimmte Anlagen

– Weniger Bürokratie, Kosten und Aufwand für stoffliches Recycling.

Förderung der Nachfrage für Post-Consumer Recycling (PCR) Kunststoffe

– Im Bereich der öffentlichen Auftragsvergabe (siehe EPEAT in den USA)

– Mit positiven Anreizen der Verwendung von PCR Kunststoffe im privaten Sektor

Das Ermöglichen eines positiven Wandel in der Entwicklung PCR Kunststoff-Recycling

– Durch realistische Schwellenwerte für Legacy-Substanzen

– Rechtsklarheit und Rechtssicherheit bei der Einstellung dieser Schwellenwerte